Was hab ich?
Um eine Erkrankung oder Verletzung richtig behandeln zu können, ist es wichtig, zunächst die korrekte Diagnose zu stellen, also die Frage nach der Ursache des Leidens bestmöglich zu beantworten. Dazu lernen die Kinder das Anamnese-Gespräch und die körperliche Untersuchung als zentrale Schritte der Diagnosefindung kennen und probieren sie selbst aus.
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© Christoph Wehrer / (c) Stiftung Kinder forschen
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© Thomas Ernst/ (c) Stiftung Kinder Forschen
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© Christoph Wehrer / (c) Stiftung Kinder forschen
Du brauchst:
- Alter: keine Beschränkung
- Zeitbedarf: mind. 30 Minuten
- Material: Spielzeug-Untersuchungskoffer, ggf. etwas Verbandsmaterial
So funktioniert's
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„Sag mal Aaah!“ – Diese Aufforderung haben bestimmt viele Kinder schon einmal gehört. Sie ist als Teil der körperlichen Untersuchung neben dem Anamnese-Gespräch (aus dem Altgriechischen anamnēsis, erinnern) ein wichtiger Teil der Diagnostik von Halsschmerzen. Andere den Mädchen und Jungen bekannte diagnostische Vorgehensweisen sind Funktionstests, beispielsweise Seh- oder Hörtests. Das Finden der richtigen Diagnose ist wichtig, um eine dazu passende Behandlung oder Therapie auszuwählen.
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Bevor die Kinder mit dem Untersuchen loslegen können, machen sie sich zunächst mit den medizinischen Instrumenten vertraut, die dafür gebraucht werden. Nimm mit ihnen dazu einen Spielzeug-Untersuchungskoffer in eurer Rollenspielecke unter die Lupe. Lass die Mädchen und Jungen die einzelnen Instrumente begutachten. Welche kennen sie bereits? Und was denken sie, lässt sich damit jeweils untersuchen? Ggf. kannst du euren Fundus auch aufstocken und ergänzen, beispielsweise mit einem ausgedruckten oder aufgemalten Sehtest.
Zeige den Kindern, wie die einzelnen Instrumente eingesetzt werden. Das ist ein guter Moment, um mit ihnen über Grenzen, Rücksichtnahme, Achtsamkeit und Mitbestimmung zu sprechen. Der eigene Körper ist ein sensibles Thema, weshalb es beim gegenseitigen Untersuchen gemeinsame und verbindliche Regeln braucht, zum Beispiel:
- Körperöffnungen sind tabu.
- Bevor ich etwas tue, kündige ich an, was ich vorhabe. Ich frage vorher immer, ob das okay ist. Nur ein „Ja“ heißt, dass ich das machen darf.
- Was ich okay finde, finden andere Kinder vielleicht nicht okay.
- Nein heißt Nein. Stopp heißt Stopp.
Entwickle mit den Mädchen und Jungen weitere Regeln, die für euch als Gruppe passen. Bestimmt habt ihr schon einige. Was ist dir und den Kindern noch wichtig?
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Anschließend probieren die Mädchen und Jungen die verschiedenen medizinischen Instrumente selbst aus und untersuchen sich gegenseitig. Sie können sich mit einem Stethoskop abhören, gegenseitig den Puls messen oder die Haut auf ihren Händen und Armen nach kleinen Wunden, Narben oder Muttermalen absuchen und diese mit einer Lupe näher in Augenschein nehmen.
Aus den U-Untersuchungen kennen die Kinder auch verschiedene Funktionstests. Welche davon möchten sie miteinander ausprobieren und fallen ihnen weitere ein? Sie können beispielsweise einen Sehtest mit einfachen Bildern durchführen. Auch motorische Tests bieten sich an, etwa auf einem Bein stehen, balancieren, …
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Frage die Mädchen und Jungen nach ihren Erfahrungen bei ärztlichen Untersuchungen. Erinnern sie sich, welche Fragen ihnen oder ihren Eltern dabei schon einmal gestellt wurden? Wie gingen die Ärzt:innen vor und was mussten die Kinder dabei tun? Besprich mit ihnen, dass für eine Diagnose beides wichtig ist: das Anamnese-Gespräch, um möglichst genaue Informationen zu bekommen und die körperliche Untersuchung.
Mache dann mit den Mädchen und Jungen ein Rollenspiel, bei dem du als Patient:in auftrittst und die Kinder als Ärzt:innen. Dabei ist es hilfreich, wenn ihr als Lernbegleitung zu zweit seid, so dass dein:e Kolleg:in die Kinder beim Fragen unterstützen kann.
Überlege dir zunächst, mit welchen Schmerzen oder Problemen du dich in Behandlung begibst, beispielsweise Schmerzen in der Hand wegen eines Bienenstichs. Für einen besonders realistischen Eindruck kannst du deine Hand auch entsprechend rot schminken. Schildere den Mädchen und Jungen dein Anliegen so, dass sie möglichst viel erfragen können. Nun beginnen sie mit der Diagnostik. Mögliche Fragen können sein:
- Wo genau tut es weh?
- Was ist passiert?
- Zeig mal her, wie sieht es aus?
Falls die Kinder nicht von selbst fragen, zeig ihnen, wo es genau weh tut. Lass sie auch die Hand untersuchen. Wie sieht sie aus? Lassen sich alle Gelenke bewegen? Bei welchen Bewegungen treten die Schmerzen auf? Sprich auch hier mit den Mädchen und Jungen darüber, wie wichtig es ist, die eigenen Handlungen anzukündigen. Damit schaffst du Sprachanlässe und stärkst soziale Fähigkeiten der Kinder.
Haben die Kinder eine Vermutung, woher deine Schmerzen kommen könnten? Es kann sein, dass sie direkt die richtige Diagnose finden, aber vielleicht stellen sie auch andere Erklärungsversuche an. Lass diese zu und erforscht gemeinsam, ob sie zutreffen könnten, denn auch das Ausschließen von Ursachen ist Teil einer umfangreichen Diagnosestellung.
Dann überlegt gemeinsam, wie ihr die Schmerzen behandelt: Kühlen und Ruhigstellen kann in diesem Fall gut helfen.
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Das Wort Diagnose kommt aus dem Altgriechischen diágnōsis und bedeutet sinngemäß „Erkenntnis“ oder „Unterscheidung“. Ärztliches Diagnostizieren und Behandeln sind komplex, da viele Faktoren eine Rolle spielen und Diagnose und Behandlung oft nicht so eindeutig sind wie beispielsweise bei technischen Problemen mit klarer Ursache und Lösung. Zudem bergen Fehlentscheidungen ein Risiko für die Gesundheit der Erkrankten.
Zukünftig wird Künstliche Intelligenz (KI) vermehrt dazu beitragen, dass Ärzt:innen Krankheiten erkennen und noch besser behandeln können. Gerade bei der Diagnostik seltener Erkrankungen und komplexer Krankheitsbilder mit vielen Symptomen bieten KI und große Gesundheitsdatenbanken Vorteile. KI ist extrem gut darin, Muster zu erkennen und kann dabei schnell riesige Datenmengen analysieren, um so die Symptome entsprechend zuzuordnen.