Abwehrzellen - Wie unser Körper Erreger erkennt
Wie kann uns ein kurzer Pieks vor schweren Krankheiten schützen? Die Kinder schlüpfen in die Rolle von Abwehrzellen, ertasten zunächst unbekannte „Erreger“ und erfahren, dass es für unseren Körper einfacher ist, diese zu bekämpfen, wenn er sie durch eine vorherige Impfung schon einmal „gesehen“ hat.
Du brauchst:
- Alter: ab 4 Jahren
- Zeitbedarf: mind. 30 min
- Material:
- Mehrere blickdichte Stoffbeutel oder Tücher
- Großes Plakat mit aufgemalter Spritze
- Spielzeug- oder echte Spritze ohne Kanüle
- Verschiedene Objekte, davon ähnliche derselben Sorte, z. B. Bauklötze in verschiedenen Formen, Spielzeugtiere und -fahrzeuge, Naturmaterialien
Im Aktionsmaterial zu den diesjährigen MINTmachtagen findest du das Impfen und weitere Körperfunktionen in der Augmented Reality zum Poster animiert und anschaulich erklärt.
So funktioniert's
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Viele Kinder kennen Spritzen aus Spielzeug-Untersuchungskoffern oder vielleicht auch vom Entdecken und Forschen mit Wasser. Zeig ihnen die (Spielzeug-)Spritze und frag sie, ob sie bei einer Untersuchung schon einmal mit einer Spritze gepikst worden sind. Welche Ideen haben die Mädchen und Jungen, wozu das Spritzen gut war? Möglicherweise erinnern sich einige Kinder an eine Impfung, auch wenn die Grundimmunisierung in der Regel bereits vor dem Eintritt in die Kita erfolgt. Im Vorschulalter werden die ersten Auffrischimpfungen durchgeführt, wodurch das Thema für die Mädchen und Jungen wieder präsenter wird. Besprich mit ihnen, dass das Piksen zwar unangenehm ist, sie aber vor schweren Krankheiten schützt.
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Wenn wir uns mit einer Krankheit anstecken, braucht unser Immunsystem meist eine Weile, um sich gegen die noch unbekannten Erreger zu wehren. In dieser Zeit können sie sich vermehren und wir werden krank. Bei einer Impfung werden dem Immunsystem unschädlich gemachte Erreger oder Teile davon präsentiert und es kann entsprechende Antikörper und Abwehrzellen bilden. Stecken wir uns dann irgendwann mit diesen Erregern an, erkennt unser Immunsystem sie und kann sie schnell bekämpfen, so dass wir gar nicht oder nur leicht erkranken.
Gerade für jüngere Kinder ist das Thema Impfen sehr komplex und abstrakt, deshalb geht es in dieser Praxisidee vor allem darum, zu verstehen, dass der Körper Erreger erst erkennen muss und sie besser bekämpfen kann, wenn er sie schon einmal „gesehen“ hat.
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Befülle einen Beutel mit verschiedenen Gegenständen oder breite diese unter einem Tuch aus, so dass die Kinder nicht wissen, welche Dinge du ausgewählt hast.
Lass sie fühlen und erraten, welche Gegenstände jeweils in dem Beutel sind. Gar nicht so leicht! Können sie ein Schwein erfühlen oder nur erkennen, dass es ein Tier ist? Versteckt sich ein Ei oder eine Kugel im Beutel? Ein Würfel oder eine Pyramide? Und ist das Ding mit den vier Rädern ein Auto oder ein LKW? Können sie erklären, woran die die Gegenstände erkannt haben?
Erzähle den Kindern, dass es den Abwehrzellen im Körper ganz ähnlich geht, wenn sie das erste Mal auf einen Krankheitserreger treffen. Sie merken, dass da etwas ist, was krank macht, können es aber noch nicht genau zuordnen und deshalb sind sie langsamer als die Krankheitserreger. Dann werden wir erst einmal krank, bevor uns unser Immunsystem wieder gesund werden lässt. So wie die Kinder die Gegenstände erst genau kennenlernen mussten, müssen auch unsere Abwehrzellen die Krankheitserreger erkunden.
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Als nächstes wird „geimpft“, um andere „Erreger“ bzw. Gegenstände kennenzulernen. Lege einige neue Objekte auf die vorbereitete große Pappspritze und erzähle den Kindern, dass dem Körper beim Impfen krankmachende Erreger in unschädlich gemachter Form gespritzt werden. Auf diese Weise kann er sich ihr Aussehen merken und entsprechende Abwehrstrategien entwickeln. Rege die Mädchen und Jungen dazu an, die einzelnen Dinge (Erreger) von allen Seiten zu betrachten und mit den Händen zu erspüren. Am besten tun sie dies auch mit geschlossenen Augen, damit sie sich gut einprägen können, wie sie sich anfühlen.
Lege nun die Gegenstände in die Beutel oder unter die Tücher. Anschließend erfühlen die Kinder erneut die einzelnen Objekte. Fällt es ihnen nun leichter, die einzelnen Dinge zu erkennen? Warum, denken sie, ist das so?
Unterstütze die Mädchen und Jungen ggf. beim Transfer, indem du mit ihnen thematisierst, dass auch Abwehrzellen Erreger schneller erkennen, wenn sie ihnen vorher bei einer Impfung präsentiert worden sind – ganz so, wie es den Kindern hilft, sich die einzelnen Gegenstände vor dem Ratespiel einzuprägen. So kann unser Körper schnell reagieren und eine Erkrankung verhindern oder abschwächen.
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Die Medizin der Zukunft setzt verstärkt auf Prävention, also auf Gesunderhaltung statt Krankheitsbehandlung. Impfungen sind ein wichtiger Teil davon, da sie viele Erkrankungen verhindern, abschwächen und sogar ausrotten können. Ein erfolgreiches Beispiel dafür sind die Pocken, an denen Menschen über Jahrtausende schwer bis tödlich erkrankten. Seit 1979 gelten sie dank eines jahrzehntelangen, weltweiten Impfprogramms als verschwunden.
Impfungen wirken auf zwei Ebenen: Zum einen schützen sie die Geimpften selbst vor der Erkrankung oder einem schweren Verlauf. Zum anderen entfalten sie ihre Wirkung über die sogenannte Herdenimmunität. Damit diese erreicht wird, müssen so viele Menschen geimpft sein, dass sich die Krankheitserreger nicht verbreiten können. Bei Masern sind das etwa 95 von 100 Menschen. Nur so werden auch diejenigen geschützt, die sich nicht impfen lassen können.
Wie bei den meisten medizinischen Interventionen können auch bei Impfungen Nebenwirkungen auftreten, diese sind jedoch in der Regel harmlos. Ausführliche Informationen zum Impfen gibt es auf den Websites des Robert Koch-Instituts sowie des Bundesgesundheitsministeriums.